Fertigstellung August 2022
Grundstücksgröße ca. 600 m2
Wohnfläche ca. 220 m2, Einfamilienhaus

 

Die Basis dieses Bauvorhabens ist ein unbebautes Grundstück mit offensichtlichen Qualitäten:
– Süd West Hanglage
– Freier Blick auf Schloss Hirschberg und Sulzauen
– Ansprechende Siedlungsanordnung

 

Für die Planung mussten trotz dieser Qualitäten verschiedene Herausforderungen bewältigt werden:
Das enge Korsett an Vorschriften des Bebauungsplans mit Grenzbebauung und Satteldachpflicht schien einer architektonisch ansprechenden Ausführung erst einmal entgegenzustehen.
Außen besticht der Baukörper durch schlichte Eleganz. Innen erzeugen zahlreiche Effekte ungeahnte Weiten.

 

Die Herausforderung bei der Planung bestand darin, dem Haus eine starke Präsenz am Ortseingang vom Blickwinkel der Kelheimer Straße aus zu geben und Neugierde zu wecken. Der Blickwinkel auf die Siedlung ist maßgeblich geprägt von der darüberliegenden Einfallstraße. Die bestehenden Wohnhäuser wirken vom Blick des Vorbeifahrenden eher geduckt. Die geschlossene Bebauung ist rhythmisiert aus Garagen und Häuser, die gleichwertig aneinandergereiht sind, was Qualität und Ästhetik allenfalls erahnen lässt.

 

Die Schwierigkeit des schmalen Grundstücks mit umlaufender Siedlungsstraße und schräg zur Hauptachse des Grundstücks abfallendem Gelände wurde als Chance verstanden und mittels Split-Level die Wahrnehmung des Ortes und der Topografie durch das Gebäude gestärkt. Mithilfe des talseitig vorstehenden Mittelbaus werden in zwei Richtungen Terrassen geschaffen, die das deutlich tiefer liegende Höhenniveau der Nachbarbebauung auf der einen Seite und der höherliegende grundstücksbegleitende Straßenverlauf auf der anderen Seite austaillieren. Durch das halbgeschossige Versetzen der Ebenen erfolgt der Eingang auf einer Zwischenebene, die sowohl in direktem Bezug zum niedriger liegenden Gartenniveau als auch zum Obergeschoss hat. Differenzierte Freibereiche mit Südterrasse und überdachte Loggia nach Westen stehen in direkter Verbindung mit dem Wohnraum und dem abfallenden Gelände.

 

Um das Gebäude, das sich aus den Funktionen Wohnhaus, Büro, Garage und Schuppen zusammensetzt und bei dem das Dach durch den Blick über die Einfallstraße Fassadenpräsenz hat, als homogenes Ganzes zu fassen und optisch als einen geschlossenen Baukörper zu lesen, wurde ein einheitliches Strukturbild für Fassade und Dach gewählt. Dadurch wird eine ruhige Erscheinung bewirkt. Die monolithische Kubatur wird im Detail durch die vertikale Struktur der Fassadenlattung, die in Firstrichtung als Trapezblech linear weiterläuft, erzeugt. Die Dachrinne versteckt sich am Schnittpunkt zwischen Fassade und Dach. Durch den schrägen Zuschnitt der überstehenden Fassadenlatten wird die optische Verbindung zur Dachhaut nahtlos hergestellt.
Von der Straße aus wirkt das Gebäude durch die Überlattung der Fenster komplett introvertiert und geschlossen, sodass das Panoramafenster als „Auge“ umso mehr als Blickfang wirken kann. Der Rücksprung im Hauseingangsbereich wirkt, als wäre er aus der Baumasse herausgeschält.

 

Die Überlattung einzelner Verglasungen und Öffnungen dient gleichwohl als Sichtschutz von außen in intime Räume aber auch als Absturzsicherung bodentiefer Fenster aus den oberen Geschossen.
Der moderne als auch zeitlose Materialmix aus ausschließlich natürlichen Werkstoffen in Rohbau und Ausbau mit vorvergrauter Lärchenholzfassade, Holz-Aluminium Fenster, Echtholzparkett- sowie Natursteinböden trifft den Puls der Zeit und wirkt dennoch Dank seiner Details (z.B. Fischgrät) zeitlos klassisch.

 

Energetisch nachhaltig wurde das KFW 40-Standard-Haus in Holzständerbauweise mit einer Luftwärmepumpe, flächendeckender Fußbodenheizung und Lüftungsanlage ausgestattet.
Durch verschiedene Effekte wird ein besonderes Wohnerlebnis erzielt:
– Die Öffnung des Wohn-Essraums nach Süden wird durch die Weitung des L-Winkels verstärkt (100 Grad Winkel). Dies lässt den Raum heller und freundlicher wirken und macht die einschließende Terrasse großzügiger.
– Durch die Differenzierung der Räumhöhen zwischen 2,4 m – 3,5 m werden unterschiedliche Stimmungen erzeugt und eine maximale Ausnutzung der Kubatur erreicht.
– Mithilfe des Split-Levels findet das Geschehen auf 7 Ebenen statt, was ein fließendes und modernes Raumkontinuum zwischen den Geschossen erzeugt und die räumliche Trennung unterstützt. Die einfache Orientierung wird gesichert, indem das Haus zentral, auf gerader Linie, durchlaufen wird.
– Das versunkene Wohnzimmer bewirkt Intimität und eine behagliche Loungeatmosphäre, sodass automatisch ein Rückzugsort innerhalb eines offenen Raums geschaffen wird.
– Die zentrale Positionierung der Küche samt Kücheninsel macht diese zum Ort des Treffens und des Austauschs.
– Das Panorama Sitzfenster lädt als Nische im Raum zum Sinnieren und Chillen geeignet.
– Abschottung zur Einfallstraße
– Eine direkte Verbindung zwischen der großen Garage und dem Eingangsbereich ist logistisch ideal.

 

Jedes Familienmitglied findet nicht nur im Individualraum genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene Besonderheiten, sondern kann sich in der Gemeinschaftsfläche am Kollektiv aktiv beteiligen, sich aber auch zurückziehen.